“rechte black metaller rächen sich an abtrünnigem”, mit dieser reißerischen Schlagzeile wird ein aktueller Artikel im Infoblog “Fight Fascism” überschrieben. Weiter heisst es, dass Philipp “Freki” S. von der deutschen Pagan Metal-Band VARG es “gewagt” habe, sich von dem “rechten Rand” des Black Metal abzuwenden. Deshalb wird ihm nun mit Gewalt gedroht; und eine Rufmord-Kampagne sei ebenfalls aus diesen “rechten Kreisen” gegen S. initiiert worden.
Zugegeben, in so einigen Kommentaren, die man in den vergangenen Tagen im Internet lesen konnte, wurde S. vielleicht zu eilfertig als “Nazi” denunziert. Seine Band VARG kann schon per definitionem gar kein “NSBM” (gewesen) sein, weil diese Band nämlich Pagan Metal – und nicht Black Metal – zu spielen vorgibt. Ab wann ist man ein “Nazi”? Reicht schon das Hören einer Band wie LANDSER, das Tragen eines Hemdes der Band ABSURD, das gelegentliche “Abhitlern” auf Partys und die Phrasendrescherei im Freundeskreis, um als “Nazi” gelten zu können? Zwar gibt es die “Antifaschisten” unter uns, welche diese Annahme unumwunden bejahen werden. Aber realistischerweise sollte ein “Nazi” doch über eine gewisse, ausgeprägte Weltanschauung verfügen – die er auch argumentativ darlegen kann – um als solcher gelten zu können.
Philipp S. wird so einiges nachgesagt. Im Forum des Wacken Open Air schreibt ein “Meister X” von einem Treffen mit der Band VARG, welches folgende Erkenntnisse über S. brachte: “Von klaren Ausländerfeindlichen und antisemitischen Sprüchen, bis zum Bekenntnis das man sich selbst als Rechts sieht und Bands wie Landser, Lunikoff, Stahlgewitter, Division Germania, Racewar, usw. hören würde. (…) Philipp selbst stimmte sogar Lieder von Landser an !!” Ein gewisser Tobias Geipel sekundiert in einem offenen Brief: “Am liebsten hätten Sie (Philipp S. – d.V.) ein paar NSBM Bands spielen lassen, aber Sie meinten das bereits mit den jetzigen Bands schon sehr viel Ärger mit der Stadt Hollfeld bestanden hatte und es sehr schwer ist mit dem Veranstaltungsort.” Dennis Knoll von Schwarze-News.de schildert im Blackpott-Forum seinen Eindruck von den aktuellen Stellungnahmen des Philipp S.: “Wenn man seine ‘Ausreden’ so mit bekommt, dann wirkt das ganze doch peinlich. Vor allem Aktionen auf vorher gegangenen Festivals, wo Gäste dazu spaßeshalber gezwungen wurden (Aussagen von Gästen) Hitler grüße zu machen ist bitter.” Und ein “Daimonic” berichtet bereits 2009 in einem Beitrag auf der Seite resurrection-dead.de, dass Philipp S. mit seinem Kontakt zu Hendrik M. regelrecht geprahlt haben soll.
Aber war S. deshalb ein “Nazi” im eigentlichen Sinne? Besagter Hendrik M. hat dazu im Sonnenritter-Forum geschrieben: “Ich glaube ihm, dass er kein ‘Nazi’ ist. Philipp ist nichts anderes als ein Opportunist, und ein Heuchler/Lügner obendrein. Im Jahr 2007 war eine Wacken-Karrie für Varg noch undenkbar, und er wollte sich damals alle ‘Optionen offenhalten’.”
Man wird einem Hendrik M. wohl zugestehen, dass er seinesgleichen erkennt wenn er sie trifft. Und seine Analyse von Philipp “Freki” S. klingt sehr viel einleuchtender als der schrille “Nazi-Alarm” bei manchen Zeitgenossen. Denn auch wenn alles, was über die Machenschaften von S. berichtet wird, der Wahrheit entsprechen sollte – so darf man ihn sich deshalb noch immer nicht als strammen “Kameraden” und als Parteigänger der NPD vorstellen. Denn S. hätte sich dann einfach nicht sehr viel anders benommen als viele deutsche Heranwachsende ohne Migrationshintergrund. Ihre Verbindung zum Rechtsextremismus ist subkulturell geprägt, und korrespondiert gar nicht mit einer gefestigten Weltanschauung. Man muss sich auch noch einmal die Aussage eines alten Freundes von Philipp S., nämlich Sebastian “Geri/Morsan” F. von der Band IVENBERG, ins Gedächtnis rufen. F. stellt in einem Blog auf dem MySpace-Profil seiner neuen Band fest: “Die jetzigen Mitglieder kenne ich persönlich und ich kann keinerlei politische Interessen bei ihnen feststellen!” Die Betonung liegt auf “keinerlei politische Interessen”. Und in der Tat, ein Hitlergruss macht einen Menschen genauso wenig zum “Nazi” wie das Singen eines Liedes von der Band LANDSER.
Unbestritten sind aber die Kontakte von Philipp S. zu Personen vom “rechten Rand” des Black Metal, die er selbst als “negative Hauptfiguren” bezeichnet. Diese Kontakte hat S. eingeräumt. Um seine Kontaktaufnahme zu verstehen, sollte man sich die Facharbeit, welche S. im Jahr 2007 geschrieben hat und die hier abrufbar ist, genauer durchlesen. Beinahe schon bewundernd schreibt S. über Hendrik M., dass dieser “in der Szene zur Kultfigur” aufgestiegen sei. Dessen ehemalige Band ABSURD kann S. “als einen der Hauptpfeiler benennen, auf die die Beziehung zwischen Rechtsradikalen und dem Pagan Metal seit Anbeginn baut.” Prophetisch erklärt S., dass M. “wohl erst ab Mai 2007 wieder aktiv ins Geschehen eingreifen kann.”
Nun stelle man sich das einmal bildlich vor. Da sitzt ein junger Gymnasiast, der Pagan Metal hört und seine eigene Band, VARG, gegründet hat. Diese Band ist zu jenem Zeitpunkt noch unbekannt, das Debütalbum “Wolfszeit” noch nicht veröffentlicht (i.ü. über ein Label, das man auch als “Tarnfirma” für den als “rechtsradikal” geltenden Wikingerversand bezeichnet hat), und die weitere Karriere ist noch völlig ungewiss. Aber eines weiß Philipp S. wohl ganz genau: Karriere, die will er in dieser Szene des Pagan Metal unbedingt machen! Da gibt es eine “negative Hauptfigur”, die bereits lange vor Philipp S. eine – skandalträchtige – Karriere vorweisen konnte. Philipp S. weiss es bestimmt besser als so mancher Kritiker der Band ABSURD: Die Band, an der Hendrik M. in den 1990-ern mitgewirkt hat, gilt im Jahr 2007 als extrem populär. ABSURD bedienen schon lange kein “Nischenpublikum” mehr; die Musik dieser Band wird auch von solchen Leuten gehört und für gut befunden, welche sich mit den Botschaften, die in dieser Musik transportiert werden sollen, gar nicht identifizieren möchten. So berühmt und erfolgreich möchte Philipp S. mit VARG bestimmt auch gerne sein, natürlich ohne Aufenthalt im Gefängnis und Boykott durch die Musikindustrie. Deshalb ist es auch absolut nachvollziehbar, dass er ein Konzert von ABSURD sozusagen vor seiner eigenen Haustür – in Franken – besucht hat; und seine Kontaktaufnahme mit Hendrik M. erscheint als logische Schlußfolgerung jener Faszination, die S. für eine solche “negative Hauptfigur” zweifelsfrei empfunden haben wird – dazu muss man nur zwischen den Zeilen seiner eigenen Facharbeit lesen.
Zu diesem Zeitpunkt war es tatsächlich nicht absehbar, dass VARG nur drei Jahre später auf den größten Festivals der deutschen Metal-Szene auftreten können – ein Erfolg, der einer Band wie ABSURD aus Gründen, die auf der Hand liegen, wohl immer verwehrt bleiben wird. Aber 2007 war eine derartige Karriere eben außerhalb der Vorstellungskraft, und Philipp S. wird es stattdessen schon genügt haben, dass man seine Band VARG überhaupt irgendwie zur Kenntnis nimmt – egal, in welchen Kreisen.
Sein eigenes Festival – Wolfszeit – hat Philipp S. scheinbar aus hauptsächlich drei Gründen ins Leben gerufen, so steht jedenfalls zu vermuten. Einmal sollte dieses Festival als Vehikel für VARG dienen; zweitens sollte dieses Festival zur Profilierung von Philipp S. beitragen; und drittens sollte mit diesem Festival den eigenen Eltern demonstriert werden, dass man mit Pagan Metal sehr wohl Geld verdienen kann. Aber S. hatte natürlich ein nicht unerhebliches Problem, als ihm die Idee zum Wolfszeit-Festival gekommen ist. Denn es gibt ein anderes Pagan Metal-Festival in Franken, das schon länger existiert und sich kommerziell prächtig entwickelt hat: das Ragnarök-Festival. Natürlich darf man davon ausgehen, dass S. sich vom Ragnarök-Festival überhaupt erst dazu inspirieren ließ, nun sein eigenes Festival aufzuziehen. Aber zwei Pagan Metal-Festivals in der selben Gegend, wo vielleicht auch noch die selben Bands auftreten…? Das hätte nicht funktioniert. Deshalb wird S. sich gedacht haben, dass er sein eigenes Festival vom Ragnarök absetzen muss. Nicht nur andere Bands als auf dem Ragnarök wollte er auf sein Wolfszeit-Festival holen, sondern auch ein anderes Klientel als sein Publikum ansprechen.
Nämlich solche Fans des Pagan Metal, die – wie man es ja auch von S. hört – kein Problem mit Bands wie ABSURD oder TOTENBURG haben. Das Ragnarök hatte nach einem tendenziösen TV-Beitrag 2006 damit begonnen, sich “gegen rechts” abzugrenzen. S. konnte zu Recht darauf hoffen, dass jener Teil des Publikums, der sich ungern vorschreiben lässt welches Bandhemd auf einem Konzert angezogen werden darf, sich vom Ragnarök ab- und zum Wolfszeit-Festival hinwenden wird. Vor diesem Hintergrund kann die Einladung an Hendrik M., doch ebenfalls zu diesem Festival zu kommen, beinahe als geschickter Schachzug im Marketing verstanden werden! Wenn sozusagen die “negative Hauptfigur” des Black und Pagan Metal auf einem solchen Festival unterwegs ist, dann werden die vielen Fans seiner Band ABSURD sich vielleicht ebenfalls gerne dort blicken lassen…!?
Tobias Geipel berichtet in seinem offenen Brief an Philipp S: “Sie erzählten mir von dem Ärger im Vorfeld mit der Antifa und das Sie deshalb den Veranstaltungsort erst kurz vorher bekannt geben konnten und das ganze als geschlossene Veranstaltung laufen müsse, wegen den ‘scheiss Linken’. Am liebsten hätten Sie ein paar NSBM Bands spielen lassen, aber Sie meinten das bereits mit den jetzigen Bands schon sehr viel Ärger mit der Stadt Hollfeld bestanden hatte und es sehr schwer ist mit dem Veranstaltungsort.” Insofern diese Behauptung korrekt ist, wird man wohl davon ausgehen dürfen, dass S. tatsächlich nach Mittel und Wegen gesucht hat um Veranstaltungen mit solchen als kontrovers geltenden Bands, die – wie er in seiner Facharbeit in Bezug auf ABSURD geschrieben hat – sich trotz heftiger Anfeindungen “mit der Zeit zu einem der populärsten Vertreter des Pagan Metals in Deutschland gemausert hat”, durchführen zu können. Schnell wird er eingesehen haben, dass so etwas im Rahmen des Wolfszeit-Festivals undurchführbar ist. Aber als separates Konzert, klandestin organisiert, kann dergleichen auch in Deutschland funktionieren. Laut dem Ablaze Magazin war Philipp S. der Veranstalter eines – kurzfristig abgesagten – Konzertes von KRODA in Annaberg-Buchholz, im Juni 2009. Es bleibt natürlich Spekulation: Aber wenn es in Deutschland kein so aufgeheiztes Klima, welches immer wieder zu abgesagten Konzerten von solchen Bands, denen man eine “rechtsradikale Gesinnung” unterstellt, führt, geben würde – hätte Philipp S. eine Band wie KRODA dann sogar auf sein Wolfszeit-Festival eingeladen?
Hinsichtlich des Wolfszeit-Festivals 2010 hat diese Frage sich ohnehin erübrigt, weil S. sich auf einmal noch antifaschistischer als das Ragnarök-Festival geben will. Wer von ihm oder seiner Security als “Nazi” ermittelt wird, dem droht der unmittelbare Platzverweis. Auch mit der Band VARG schlägt S. plötzlich ganz neue Töne an. “VARG & Fans gegen Nazis”, so lautet das Motto einer virtuellen Kampagne. “Wir sehen die Probleme, kümmern uns darum, was in unserer Szene passiert und lehnen eine Unterwanderung von rechts komplett ab!”, schreibt S. in einem Blog auf dem MySpace-Profil seiner Band. Derartige öffentliche Äußerungen wird man von S. vor 2010 vergeblich suchen. Dabei hat er, man kann es gar nicht oft genug betonen, “die Probleme” einer “Unterwanderung von rechts” doch bereits 2007 in seiner Facharbeit benannt! Woher nun wieder der plötzliche Sinneswandel?
Hat man es – um die Theorie der Antifa aufzugreifen – mit einem “Aussteiger” aus der “rechtsextremen Szene” zu tun? Es ist von S. nicht bekannt, dass er Mitglied einer “rechtsextremen Kameradschaft” o.ä. gewesen sein soll. Dem organisierten “Rechtsextremismus” hat er, allem Anschein nach, zu keinem Zeitpunkt angehört. Ihn nun als “Aussteiger” hinzustellen, das entbehrt jeder Grundlage und Rechtfertigung! Denn aus welchen Strukturen soll er sich gelöst (“befreit”) haben? Organisatorische Strukturen, wie eben festgestellt, waren keine vorhanden. Und Denkstrukturen und -muster?
Weder in den Texten von VARG, soweit von S. verfasst, noch in seinen Interviews macht er den Eindruck eines ideologischen Menschen. Auch sein Interesse an Philosophie und/oder Religion scheint allenfalls rudimentär ausgeprägt zu sein. Man kann Philipp S. nicht gerade als besonders spirituell veranlagten Vertreter des Pagan Metal einstufen. Von daher ist der Versuch, ihn als jungen Mann, der zunächst ideologisch verblendet war, sich dann mit “falschen Freunden” eingelassen hat um schließlich zu einer schmerzhaften Selbsterkenntnis, die ihn zur Abkehr von alledem veranlasst, zu führen, darzustellen, von vornherein zum Scheitern verurteilt.
Es scheint auf Philipp S. viel eher das Charaktermodell des ehrgeizigen Opportunisten und Karrieristen zu passen, der absolut keine Gelegenheit auslässt um sich “nach oben” zu arbeiten. Dabei bedient er sich wohl auch fragwürdiger Methoden und kontroverser Zeitgenossen, wenn er sich davon nur einen Vorteil verspricht bzw. er sich einbildet, mit deren Hilfe wieder ein gutes Stück auf der Karriereleiter voranzukommen. Und Philipp S. war so gut darin, dass ihn sein eigener und schneller Erfolg überrascht haben dürfte! Sozusagen wurde er augenscheinlich von den Ereignissen überholt, als Nuclear Blast aus Donzdorf, das deutsche Superlabel im Metal-Bereich, Interesse an VARG bekundet hat. Darauf wird S. zwar insgeheim gehofft haben, aber dass das Vertragsangebot so bald kommen würde – sicherlich hat das nicht nur die Metal-Szene, sondern vor allem ihn selbst, sehr überrascht.
Auch diese Überlegung ist wieder spekulativ, aber bei allem, was man nun über S. weiß und erfährt, kann man ihm auch einen gewissen “Masterplan” für seine Karriere als Musiker und Veranstalter unterstellen. In diesem Plan war der Ausflug an den “rechten Rand” des Black Metal nur eine Station auf dem Weg nach oben; eine Station, die S. in absehbarer Zeit hinter sich lassen wollte; darauf vertrauend, dass die ihm jetzt nachgesagten Machenschaften sowieso bald vergessen bzw. auch gar nicht erst bekannt werden. Dieser Zeitpunkt war im Jahr 2009 noch nicht gekommen. Deshalb kam das Angebot, einen Plattenvertrag bei einem Branchenriesen zu unterschreiben, eigentlich um ein, zwei Jahre zu früh.
Wie man weiß, wurde der bereits geschlossene Vertrag (denn Nuclear Blast stellten VARG bereits als Neuzugang auf dem Label vor, weshalb die Verhandlungen zwischen beiden Parteien auch erfolgreich abgeschlossen gewesen sein müssen) kurzerhand aufgekündigt. Über die Gründe wird viel spekuliert. Es erscheint nicht abwegig, dass Nuclear Blast auf Dinge aufmerksam (gemacht) wurde, die Philipp S. nicht zufriedenstellend erklären konnte. Bei Nuclear Blast ist man natürlich auf ein politisch korrektes Image bedacht; und es wäre ein Super-GAU für die Labelpolitik, wenn eine Band, die bei Nuclear Blast unter Vertrag steht, mit jemanden wie Hendrik M. in Verbindung gebracht wird.
Die Theorie, dass Nuclear Blast den Vertrag mit VARG deshalb aufgekündigt haben weil man sich von der anderen Partei “arglistig getäuscht” fühlte, erhält auch Substanz durch die Reaktion von Philipp S. bzw. VARG im Anschluß an die Meldung, dass es keine Veröffentlichung von “Blutaar” über Nuclear Blast geben wird. Auf einmal erkannte S. im Pagan Metal die Gefahr einer “Unterwanderung von rechts” (man erinnere sich jedoch an seine Facharbeit!), gegen die er und seine Band etwas unternehmen wollen. Deshalb wurde nun eine antifaschistische Kampagne inszeniert, die im Pagan Metal ihresgleichen sucht.
Für einen Menschen ohne “politische Interessen” ist das ein sehr bemerkenswertes Engagement; und für einen Menschen mit jahrelangen Verbindungen an den “rechten Rand” des Black Metal ist dieses Engagement sehr verdächtig. Wenn Philipp S. niemals ein “Nazi” war, dann kann er jetzt auch kein “Antifaschist” sein. Aber ein Opportunist ist er nach wie vor, möchte man meinen. Sehr flexibel versucht er sozusagen jede Erwartungshaltung, die ihm ein Weiterkommen im Musikgeschäft ermöglicht, mehr als zufriedenzustellen.
Philipp S. weiß natürlich, dass zum Beispiel der Veranstalter des PartySan Open Air eine klare Linie “gegen rechts” verfolgt. So, wie S. vielleicht dem Hendrik M. mit irgendeinem Verhalten imponieren wollte, wird er nun auch den bekennenden Antifaschisten in der Metal-Szene beweisen wollen, dass er alles aber bloß kein “Nazi” ist. Wie er das macht, beweist einmal mehr seine offenkundig fehlende geistige Reife. Denn er schreibt im erwähnten Band-Blog: “Ich liebe die Vielfalt der Kulturen – und das nicht nur weil ich lettischen und brasilianischen Metal höre und Döner esse! (…) Oder noch klarer ausgedrückt: ich verabscheue Faschismus und Rassismus.” Die Musik die man hört, oder die Mahlzeiten die man verspeist, sollen also ausschlaggebend dafür sein, ob man ein “Nazi” ist – oder nicht? Was soll man da vom Vegetarier Adolf Hitler, der gerne Disney-Filme geschaut hat, halten? So, wie Philipp S. mit dem ihm vorgeworfenen Singen von LANDSER-Liedern eine ideologische Affinität zu “den Rechten” vorgaukeln wollte, so will er der Welt nunmehr allen Ernstes weismachen, das Verspeisen eines Döners mache ihn zum “Antifaschisten”?
Zur Zeit steht für Philipp S. alles auf dem Spiel. Er schreibt davon, dass die Vergangenheit den Menschen manchmal einholt. Daraus kann man schlußfolgern, dass er gemerkt hat, dass der Abstand zwischen seinem geplanten KRODA-Konzert 2009 und seinem geplanten Auftritt mit VARG auf dem Wacken 2010 einfach noch nicht groß genug ist, damit man die Vergangenheit erfolgreich auf Abstand halten kann. Ein gravierender Charaktermakel von Karrieristen ist nämlich ihre Ungeduld und Maßlosigkeit; es kann ihnen nicht schnell genug gehen und sie können auch nie genügend neue Erfolgserlebnisse haben. Dieser Umstand könnte Philipp S. zum Verhängnis werden, und seine Karriere als Musiker im Pagan Metal jäh beenden.
Es sei denn, seine Position als Protegé des RockHard ist schon so sehr gefestigt, dass man ihm den Ausweg als “Aussteiger” eröffnet. Das angekündigte VARG-Interview im RockHard könnte wohl nach dem Schema strukturiert sein, dass Philipp S. tatsächlich zugibt, enger als bisher bekannt mit dem “rechten Rand” des Black Metal verbunden gewesen zu sein. Er habe aber erkannt, wie “falsch” alles bei den “Nazis” sei: deren Ideale und Werte, ihre Kameradschaft, ihre Ziele und Wünsche, etc.pp. – entsprechende Floskeln kann Philipp S. sich ja von anderen “Aussteigern” abschreiben, oder man wird ihm sowieso schon seine Antworten diktieren. Und nachdem S. nun “geläutert” und “gereift” ist, und er “reinen Tisch” mit sich und der Metal-Szene gemacht hat, darf er mit VARG natürlich auch auf dem PartySan Open Air auftreten – als Wiedergutmachung der Metalbrüder für die Seelenpein, welche für Philipp S. mit seinem “Ausstieg” aus der “rechten Szene” verbunden war. Nicht zu vergessen die bestimmt sehr ernstzunehmenden Drohungen gegen ihn, welche in einigen Internet-Foren zirkulieren und S. ganz sicher in Angst und Schrecken versetzen…
Ja, und damit kann es für Philipp “Freki” S. wieder aufwärts gehen. Andere “Aussteiger” glauben, bis auf andere Kontinente flüchten und sich dort vor der Rache ihrer ehemaligen Gesinnungsgenossen verstecken zu müssen. Ein Philipp S. wird stattdessen auf große Tour mit VARG gehen, und auf den Bühnen dieser Welt zu sehen sein.
[Quelle: Varg - Freki - Wolfszeit]