Nach langer Bedenkzeit haben sowohl das Wacken Festival als auch das PartySan Open Air erklärt, dass die Coburger Band VARG wie geplant auftreten darf.

Die entsprechenden Stellungnahmen der Veranstalter lauten wie folgt:

“Liebe Metalheads,
in den letzten Tagen kamen vermehrt Reaktionen auf, die sich mit dem Auftritt der Pagan-Metal Band Varg beim W:O:A beschäftigen. Unter anderem gab es diverse Massen-Emails, die im Internet verbreiten, eine rechtsradikale Band würde auf dem W:O:A spielen.
Anstoß der Diskussion ist ein Foto von 2007, auf dem der Sänger der Band mit einem “Absurd” T-Shirt zu sehen ist. Varg und deren Sänger Philipp Seiler haben sich in diversen Statements und auf jedem ihrer Konzerte klar gegen Faschismus und Rechtsradikalismus positioniert. Wir haben uns als Veranstalter natürlich auch mit diesem Thema auseinander gesetzt. Die Band hat uns in diversen Gesprächen absolut glaubhaft vermittelt, dass sie den begangenen Fehler sehr bereuen und keinerlei rechtes Gedankengut oder rechte Tendenzen innerhalb der Band oder deren Musikern vertreten werden. Darüber hinaus haben wir uns bei diversen „Kennern“ der Szene und großen Metalmags informiert, die uns auch in den gewonnenen Erkenntnissen bestärkt haben, dass es sich bei Varg nicht um eine Band mit rechten Tendenzen handelt. Unter anderem wird es in der Aprilausgabe des deutschen Rock Hard ein ausführliches Interview von Wolf Rüdiger Mühlmann mit Philipp Seiler geben, in dem die Faktenlage nochmals klar aufgezeigt und durchleuchtet wird. Wir als Veranstalter haben uns darum bei der jetzigen Faktenlage entschieden, Varg auf dem W:O:A spielen zu lassen und nicht vom Billing zu streichen, denn gerade wir Metalheads sind doch dafür bekannt, Menschen die Fehler eingestehen und sich klar positionieren eine zweite Chance zu geben.”

http://www.wacken.com/woa2010/main-news/news/ansicht/article/statement-zum-thema-varg-auf-dem-woa/

“Wir baten euch vor einigen Wochen um ein wenig Geduld, damit wir uns in der Angelegenheit VARG ein umfassendes Bild machen können. Das ist, wie schon mehrfach erwähnt, nicht so einfach gewesen, wie zunächst gedacht. Besonders, da in dieser Angelegenheit viel Engagement von den beiden politischen Extremen in die Kampagne gelegt wurde, so dass wir regelrecht mit Mails zu diesem Thema zugespamt wurden. Nun, da wir viele Gespräche mit VARG, Philipp, Pressevertretern und einer Menge Metal Fans geführt haben, haben wir uns entschieden, VARG auf dem Party.San Billing zu belassen. Da bei der Diskussion in allen Foren viele Emotionen im Spiel waren, wollen wir euch diese Entscheidung in ein paar kurzen Worten erklären.

Das Party.San Open Air ist für eine klare politische Haltung gegen die Unterwanderung der Metal Szene durch rechte Spinner bekannt. Als die ersten Mails bei uns eintrafen, die VARG und Philipp einen rechten Background unterstellten, war klar, dass wir die Band bei uns nicht auftreten lassen, wenn sich diese Anschuldigungen bewahrheiten sollten.

Um das herauszufinden, haben wir uns nicht nur auf die zahlreichen Statements von Philipp verlassen. Wir haben uns weiter in das Thema eingelesen und recherchiert. Dabei wurde deutlich, dass die meisten Informationen, die die Kampagne angeheizt haben, von der rechten Seite kamen. Private Fotos aus der Zeit als Philipp noch mit der rechten Szene zumindest kokettierte, oder sogar seine Schularbeiten konnten nicht so einfach ins Netz gelangen. Sie wurden gezielt eingesetzt, um Philipp zu diskreditieren – auf zum Teil gefakten, rechten Internetpräsenzen. Die extrem Linke und einige, privat von Philipp „Enttäuschte“, ließen sich vor den Karren spannen und schürten die Kampagne weiter. Philipp musste sich – zu Recht – bei seinen Fans, Label, Veranstaltern und der Presse erklären. Daraus ergibt sich, dass Philipp wirklich eine rechtseitig blinde Vergangenheit hat und sich von dieser nun distanziert und er klar gegen die rechte Szene Stellung bezieht.

Was bleibt also unterm Strich, was unsere Entscheidung beeinflusst.

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VARG, eine Band, die kommerziellen Erfolg haben will und weder in Texten noch durch äußere Bekundungen in die rechte Ecke gehört
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der Sänger von VARG, Philipp, der in der Vergangenheit mit der rechten Szene in Berührung gekommen war und sich nun mit aller Kraft davon distanziert und die rechte Szene öffentlich bekämpft.
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eine wütende rechte Szene, die damit eine ihrer gewünschten Lichtgestalten verloren hat
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eine, bei der Rechten abschreibende, extreme Linke die sich beim mopsen erwischen ließ und offenbar keinem rechten Aussteiger eine Chance geben will – und somit negiert, dass der Mensch lernfähig ist

Wir sehen den Menschen als lernfähig an und erkennen den positiven Lern-Ansatz bei Philipp an, so dass wir ihm nicht die Tür vor der Nase zuschlagen werden. Warum sich einer aus dem Dunstkreis der Rechten befreit, ob aus moralischen oder kommerziellen Gründen, ist uns dabei egal. Wichtig ist, dass es so ist und wir den Eindruck haben, dass dieser Vorgang nicht umkehrbar ist. Davon sind wir im Fall Philipp überzeugt.

Wenn wir als Metaller, den Mitläufern und/oder Aussteigern aus der rechten Szene nicht die Möglichkeit geben würden, sich in der Mitte der Gesellschaft neu zu etablieren, müssen wir davon ausgehen, dass keiner mehr seinen ideologisch, verklärten Lebenswandel überdenkt und sich neu positioniert. Somit sehen wir im Verbleib von VARG auf dem Party.San Billing unsere eigene moralische Pflicht.

Das Party.San Team”

http://www.party-san.net/openair/news/index.php?shownews=100&lang=de

Dazu gibt es auch eine Videobotschaft von Philipp Seiler:

http://wackentube.com/video/1549/Varg+Statement+Against+Racism

Die Entscheidung, VARG weiterhin auf diesen Veranstaltungen spielen zu lassen, ist gut und richtig. Aber sie kann nur der Anfang sein! Denn es muß endlich Schluß sein mit dem Ausgrenzen, dem Boykottieren und dem Verfolgen von Musikern in unserer Black- und Pagan Metal-Szene!

Der Fall des Philipp “Freki” Seiler von VARG hat sehr deutlich gezeigt, dass man eben doch Kontakte in die sog. “NSBM”-Szene unterhalten – und sich dort sogar organisatorisch entfalten! – kann, ohne sofort als “Nazi” stigmatisiert zu werden. Philipp Seiler hat erklärt, dass er selbst kein Nationalsozialist, Rassist und Antisemit ist. Deshalb darf er auf Veranstaltungen, die sich ansonsten “gegen rechts” aussprechen und engagieren, auftreten.

Mieze vom PartySan Open Air hat die neue Linie beim Umgang mit Musikern, denen irgendwelche Vorwürfe hinsichtlich ihrer Gesinnung gemacht werden, vorgegeben:

“Warum sich einer aus dem Dunstkreis der Rechten befreit, ob aus moralischen oder kommerziellen Gründen, ist uns dabei egal. Wichtig ist, dass es so ist und wir den Eindruck haben, dass dieser Vorgang nicht umkehrbar ist.”

In Zukunft wird von niemanden mehr, dem eine Meinung, Bekanntschaft, oder Handlung im Zusammenhang mit dem “NSBM” vorgeworfen wird, eine gewundene Erklärung verlangt oder erwartet. Es wird völlig ausreichend sein zu sagen, dass man ab jetzt Geld verdienen, und deshalb mit dem “Nazi-Kram” nichts mehr zu tun haben, will.

Das ist ein wichtiger Fortschritt hin zur Normalisierung in unserer Szene, denn damit bleiben uns pathetische und unglaubwürdige Entschuldigungen und Rechtfertigungsversuche von Seiten der betroffenen Musiker erspart.

Nachdem VARG auf diese Weise rehabilitiert sind, sollten andere Bands bald folgen. Immerhin gibt es in unserer Szene ja viele Musiker, denen aus viel nichtigeren Gründen, als es bei Philipp Seiler der Fall gewesen ist, das Leben schwer gemacht wird.

[Quelle: Ablaze Magazin]