Varg-shirt-300x200 in Philipp Freki Seiler: Oberflächliche Hetze von Rechtsaußen?

Da hat Philipp “Freki” S. von VARG noch einmal Glück gehabt. Obwohl nicht alle deutschen “Metalbrüder” zu seiner Verteidigung gekommen sind, so konnte er doch immerhin die beiden führenden, deutschen Metal-Zeitschriften RockHard und Metalhammer auf seine Seite ziehen. Wie nun bekannt wurde, soll das Interview mit S., welches schon seit Januar angekündigt ist, in der kommenden Ausgabe von RockHard bzw. Metalhammer abgedruckt werden.
Auch das Wacken Festival hat sich endlich zu einer Stellungnahme zur causa VARG durchgerungen. Man schreibt am 01.03.2010: “Liebe Metalheads,
in den letzten Tagen kamen vermehrt Reaktionen auf, die sich mit dem Auftritt der Pagan-Metal Band Varg beim W:O:A beschäftigen. Unter anderem gab es diverse Massen-Emails, die im Internet verbreiten, eine rechtsradikale Band würde auf dem W:O:A spielen.
Anstoß der Diskussion ist ein Foto von 2007, auf dem der Sänger der Band mit einem “Absurd” T-Shirt zu sehen ist. Varg und deren Sänger Philipp Seiler haben sich in diversen Statements und auf jedem ihrer Konzerte klar gegen Faschismus und Rechtsradikalismus positioniert. Wir haben uns als Veranstalter natürlich auch mit diesem Thema auseinander gesetzt. Die Band hat uns in diversen Gesprächen absolut glaubhaft vermittelt, dass sie den begangenen Fehler sehr bereuen und keinerlei rechtes Gedankengut oder rechte Tendenzen innerhalb der Band oder deren Musikern vertreten werden. Darüber hinaus haben wir uns bei diversen „Kennern“ der Szene und großen Metalmags informiert, die uns auch in den gewonnenen Erkenntnissen bestärkt haben, dass es sich bei Varg nicht um eine Band mit rechten Tendenzen handelt. Unter anderem wird es in der Aprilausgabe des deutschen Rock Hard ein ausführliches Interview von Wolf Rüdiger Mühlmann mit Philipp Seiler geben, in dem die Faktenlage nochmals klar aufgezeigt und durchleuchtet wird. Wir als Veranstalter haben uns darum bei der jetzigen Faktenlage entschieden, Varg auf dem W:O:A spielen zu lassen und nicht vom Billing zu streichen, denn gerade wir Metalheads sind doch dafür bekannt, Menschen die Fehler eingestehen und sich klar positionieren eine zweite Chance zu geben.”
Außerdem hat man VARG um ein Bekenntnis “gegen rechts” gebeten, dem S. auch nachgekommen ist. Anzuschauen hier:
Philipp S. wird als jemand dargestellt, der “einen Fehler” begangen, diesen eingesehen und bereut, und somit eine “zweite Chance verdient” hat. Dazu passt auch die Aussage von Stefan Hattinger, der mit Rock The Nation die aktuelle “Paganfest”-Tour mit VARG veranstaltet und ihr aktuelles Album “Blutaar” auf dem extra zu diesem Zweck gegründeten Label Noise Art Records veröffentlicht hat, im Interview mit dem österreichischen Webzine Stormbringer am 23.02.2010: “Was bei der ganzen Geschichte passierte ist, dass der Philipp sich in seiner Vergangenheit irgendwo angelehnt hat und dabei ein wenig braune Farbe abbekommen hat.
Nach allem was man mittlerweile über Philipp “Freki” S. und seine Umtriebe in den vergangenen drei Jahren weiß, ist die Annahme, er sei ein naiver Junge der sich mit “falschen Freunden” eingelassen hat, nun wirklich das letzte woran man denkt.
Die – bestätigte – Faktenlage sieht im Großen und Ganzen folgendermaßen aus:
  1. S. hat im Jahr 2006 eine Facharbeit zum Thema “Politik & Pagan Metal” geschrieben und sich darin ausführlich mit Absurd und dem “rechten Rand” in der Black und Pagan Metal-Szene befasst. Naiv in dem Sinne, dass er von alledem nichts gewusst hat, war er also von Anfang an überhaupt nicht.
  2. S. hat im Frühjahr 2007 ein Konzert der Band Absurd im fränkischen Gremsdorf besucht. Angeblich will er schon nach drei Liedern gegangen sein; aber entscheidend ist nicht wann er von dort gegangen ist, sondern, dass er überhaupt erst dorthin gegangen ist. Auf eine Veranstaltung der NPD gerät man auch nicht durch Zufall…
  3. S. hat den “Satansmörder von Sondershausen”, Hendrik M., auf das Wolfszeit-Festival im Jahr 2007 eingeladen. Dort wurde M. als “V.I.P.” behandelt. S. hat Hemden von Absurd, darunter auch das “Ulfhednir”-Hemd mit dem er Ende 2007 fotografiert wurde, von M. gekauft. Es soll dann auch eine Absprache hinsichtlich zukünftiger Zusammenarbeit gegeben haben. Das hat doch eindeutig mit mehr als nur der Faszination für einen “negativen Hauptdarsteller” zu tun.
  4. Das erste Album von VARG, “Wolfszeit”, wurde von einem Label, hinter dem der Wikingerversand stecken soll, veröffentlicht. Gleichzeitig wurde ein T-Shirt von VARG veröffentlicht (siehe Foto), auf dem ein Hakenkreuz (in Deutschland auch in dieser, abgerundeten Form strafbar) abgebildet ist. Da Philipp S. sich mit der Politisierung des Pagan Metal durch “Rechtsextreme” hinreichend beschäftigt hat – siehe seine o.g. Facharbeit, die man sich hier herunterladen kann – kann er schwerlich behaupten, er habe sich bei alledem gar nichts weiter gedacht.
  5. Eine weitere Firma aus dem Umfeld des Wikingerversands, der – mittlerweile eingestellte – Nordahl-Versand, trat als Sponsor des Wolfszeit-Festivals in den Jahren 2007 und 2008 auf. Medienpartner beim Wolfszeit-Festival 2008 war das Ablaze Magazin, in dem regelmäßig solche Bands, die dem “rechten Rand” des Black und Pagan Metal zugerechnet werden, zu Wort kommen. Offenbar hatte S. keinerlei Berührungsängste, als er diese Kontakte knüpfte und zu seinem Vorteil nutzte.
  6. VARG haben zwei Konzerte mit solchen Bands, die mehr oder weniger eindeutig am “rechten Rand” des Black und Pagan Metal angesiedelt sind, zusammen gespielt. Einmal mit ISOLFUR und einmal mit EUGENIK, in Thüringen bzw. in Sachsen. Außerdem hat S. mindestens ein Konzert mit der ukrainischen Band KRODA, die ebenfalls den Ruf hat, eine “rechte” Pagan Metal-Band zu sein, organisieren wollen. In Anbetracht seines Hintergrundwissens zu der Verflechtung des Pagan Metal mit “Rechtsextremisten” muss man S. eine Absicht bei alledem unterstellen. Ein “Fehler” war es jedenfalls nicht.
  7. S. hat im Frühjahr 2009 eine Deutschland-Tour mit TAAKE organisiert. Hendrik M. hat einen Verkaufsstand auf dem Konzert, welches in Berlin stattfand, machen können. Der Kontakt zwischen S. und M. muss offenbar mehr gewesen sein, als nur eine flüchtige Bekanntschaft. Auch ohne Facharbeit zur “Politik im Pagan Metal” hätte S. wissen müssen wer M. ist, was M. getan hat und wofür M. steht. Wer sich freiwillig mit diesem Mann einlässt, der lehnt sich nicht einfach irgendwo an, wie es Stefan Hattinger nun darstellen möchte. Nein, der sucht ganz bewusst diesen Kontakt, entweder weil er mit M. sympathisiert oder weil er sich von diesem Kontakt irgendeinen Vorteil verspricht. Mit einem “Fehler” hat das ganz bestimmt nichts zu tun!
  8. S. hat in der Vergangenheit auf jede Kritik an VARG, hinsichtlich der Annäherung an den “rechten Rand” des Black und Pagan Metal, mit Arroganz und mit Spott reagiert. Dazu kann man auch hier noch eine sehr aussagekräftige Stellungnahme vom 10.10.2008 finden: http://blogs.myspace.com/index.cfm?fuseaction=blog.view&friendId=156693868&blogId=440002282 Zu keinem Zeitpunkt hat er von sich aus “reinen Tisch” machen, sich offenbaren und seine Kontakte an den “rechten Rand” des Black und Pagan Metal einstellen, wollen. Im Grunde genommen hat er seine Fans jahrelang belogen. Aber auf einmal steht er als glaubwürdiger, reuiger Sünder da?
  9. Das Donzdorfer Label Nuclear Blast Records hat einen bereits abgeschlossenen Vertrag mit VARG, der sogar schon in der Öffentlichtkeit verkündet wurde, annulliert, weil ihnen die Machenschaften und Kontakte von Philipp S. eindeutig zu weit gingen und er diese wohl auch nicht zufriedenstellend erklären bzw. die sich daraus ergebenden Fragen nicht beantworten konnte. Erst jetzt kam S. auf die Idee, die Kampagne “VARG & Fans gegen Nazis” ins Leben zu rufen. Das hat auch nichts mit Einsicht in irgendein Fehlverhalten zu tun. Es ist nichts anderes als Opportunismus und Heuchelei!
Um von all den offenen Fragen und Widersprüchlichkeiten in der causa VARG abzulenken, wird Wolf-Rüdiger Mühlmann vom RockHard ein groß angelegtes Ablenkungsmanöver starten, so hat es jedenfalls den Anschein. Denn dem Vernehmen nach geht es in dem angekündigten Interview mit Philipp S., in der nächsten Ausgabe des RockHard, gar nicht so sehr um den Inhalt der gegen ihn gerichteten Vorwürfe – sondern darum, aus welcher Ecke diese Vorwürfe stammen sollen.
Angeblich soll es sich um eine Verschwörung von “Rechten”, allen voran besagter Hendrik M., handeln, die sich an S. “rächen” wollen. Weil er es “gewagt” habe, sich von ihnen “abzuwenden”. Aus diesen Kreisen heraus würde eine “Kampagne” gegen VARG lanciert, um diese Band als “Nazis” zu diffamieren.
Philipp S. stellt sich in seiner o.g. Videobotschaft auch als Opfer einer solchen Kampagne dar, und spricht von einer “oberflächlichen Hetze von Rechtsaußen”.
So einfach will man es sich jetzt machen, aber man kann es nicht.
Zunächst gibt es gar keine Kausalität zwischen der angeblichen Distanzierung von Philipp S., vom “rechten Rand” des Black und Pagan Metal, und den Vorwürfen, die seit Januar 2010 im Internet über ihn geäußert werden. Bereits 2008 wurde im Ablaze Magazin darüber berichtet, dass S. auf seinem Wolfszeit-Festival die Kontrolle von Bandhemden eingeführt hat, um “rechte” Besucher von seiner Veranstaltung fernhalten zu können. Auch die Band VARG hat ja immer wieder betont, man sei alles aber keine “Nazi”-Band. Die o.g. Stellungnahme vom 10.10.2008 betitelte man so: “Wir sind GEGEN Nazis!”. Dennoch gab es zu diesem Zeitpunkt keine “Hetze von Rechtsaußen” gegen VARG und gegen Philipp S., im Gegenteil – kein halbes Jahr später haben sich Philipp S. und Hendrik M. in Berlin auf dem TAAKE-Konzert die Hand gegeben.
Ganz egal aus welcher Ecke, und mit welcher Motivation, die Vorwürfe gegen Philipp S. geäußert werden; es steht mittlerweile doch fest, dass diese Vorwürfe eben nicht aus der Luft gegriffen sind sondern tatsächliche Begebenheiten wiedergeben. Das hat nichts mit “Hetze” oder gar mit “Rufmord” zu tun. Denn es kommt jetzt nur zum Vorschein, was lange Zeit über verdrängt oder ignoriert worden ist. Auch und gerade von jenen “Metalbrüdern” die sich jetzt die Ehrenrettung von Philipp S. auf die Fahne geschrieben haben – und dabei doch alles andere als selbstlos und uneigennützig handeln.
Selbst wenn es so wäre, dass die Vorwürfe gegen Philipp S. von irgendwelchen “Rechtsextremisten” verfasst werden: Werden diese Informationen dadurch wertlos?
Genau diesen Eindruck wollen Wolf-Rüdiger Mühlmann und Stefan Hattinger vermitteln. Weil es doch “Nazis” sein sollen, die hier mit “braunen Dreck” auf VARG werfen, darf man sich das, was sie zu sagen haben, gar nicht erst anhören. Und tut man es doch, dann darf man nichts von alledem glauben. Weil “Nazis” immer lügen, und sowieso nur aus niederen Beweggründen heraus handeln…
Nein, gelogen hat Philipp S. – und er wird es wohl weiterhin tun, wenn es um seine Vergangenheit geht – und die niederen Beweggründe wird man zunächst bei denen, die seine Lügen decken und bagatellisieren, vermuten müssen. Denn es geht ums Geschäft und ums Geld, sowohl bei dem einen wie auch bei dem anderen. Andernfalls hätte man Philipp S. schon längst genauso zur Rechenschaft gezogen, wie es in vergleichbaren Fällen passiert ist.