Philipp “Freki” Seiler: Mit 19 ein verantwortungsbewusster Heranwachsender, mit 22 ein dummer Junge?
- Januar 27th Januar 2010
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Philipp “Freki” S: Mit 19 ein verantwortungsbewusster Heranwachsender, mit 22 ein dummer Junge?
Philipp “Freki” S. (Kopf der Coburger Band Varg) hat auf die Veröffentlichung des Fotos, auf dem er mit einem Hemd der Band ABSURD bekleidet zu sehen ist, mit insgesamt drei Stellungnahmen reagiert.
Die erste Stellungnahme wurde am 18.01.2010 im Blog des MySpace-Profils seiner Band VARG veröffentlicht. S. erklärt das Zustandekommen dieses Fotos mit einem Aufenthalt im Krankenhaus Ende 2007. Seine Freunde hätte ihn von dort abgeholt, damit
man gemeinsam nach Niedersachsen fahren kann. Er schreibt: “Da ich nicht wirklich viel Kleidung für diesen überraschenden Trip hatte wurde ich kurzerhand u.a. mit diesem T-Shirt ausgestattet. Für mich war das keine große Sache zur damaligen Zeit, es war einfach ein T-Shirt das ich an diesem Wochenende trug.”
S. behauptet, dass das Hemd nicht ihm gehört. Freunde hätten es ihm ausgeborgt. Er habe es auch nur einmal getragen, und sich dabei nichts weiter gedacht. Aber: “Es war verdammt dämlich diesen „Spaß“ mitzumachen. Ich würde aus heutiger Sicht wohl lieber 3 Tage mit einem verschwitzten getragenen weissen Shirt rumlaufen, aber was geschehen ist kann man nun nicht mehr ändern.”
Am 19.01.2010 hat Hendrik M., der als “Satansmörder von Sondershausen” bekannt gewordene Ex-Schlagzeuger der Band ABSURD, im “Sonnenritter”-Forum folgendes dazu geschrieben:
“Philipp war auf dem Absurd-Konzert in Gremsdorf, Frühjahr 2007. Danach hat er mich als V.I.P. auf sein Wolfszeit-Festival eingeladen. Er war nämlich sehr begierig auf ein persönliches Gespräch mit mir, da er sich – gemeinsam mit seinem nicht minder schwachsinnigen Kumpel “Lee” aus Annaberg-Buchholz – gedacht hat, man könnte doch sozusagen ein NSBM-Pendant zum Wolfszeit organisieren: Also ein Festival mit Bands wie Absurd, Totenburg, Temnozor, Nokturnal Mortum, etc.pp. Der “Lee” sollte das einfädeln, und Philipp wollte es aus dem – vermeintlich sicheren – Hintergrund heraus finanzieren.
Jedenfalls bin ich zu diesem Wolfszeit-Festival gefahren, wo ich, wie von ihm versprochen, auch umsonst reinkam. Viel miteinander gesprochen haben wir zwar nicht, weil er verständlicherweise immer irgendwo unterwegs war. Aber ich hatte den Kofferraum voll mit Absurd-Hemden (Weltenfeind & Ulfhednir), deren Erstauflage zu diesem Zeitpunkt fertig war. Die Hemden wurden von den WZ-Besuchern fleißig gekauft, und auch Philipp hat sich jeweils ein Exemplar von beiden Motiven zugelegt. Weil er nämlich, wie er damals sagte, ein Fan dieser Band ist.”
Daraufhin hat S. seine eigene Stellungnahme komplett überarbeitet. Im Forum des RockHard wurde am 20.01.2010 diese Aussage von S. veröffentlicht:
“Ich bin jetzt 22 Jahre alt/jung, Student der sozialen Arbeit und die Band ist mein Leben. Vor einigen Jahren war ich mir der Problematik, wie sich zunehmend rechte Tendenzen in unsere Szene einschleichen, nicht bewusst. Ich war jung, dumm und naiv. Andererseits war ich aber mittendrin, als der Boom dessen begann, was heute gemeinhin als Pagan/Viking-Metal bekannt ist. Alles war sehr aufregend, familiär, überschaubar, unkommerziell. Leider kann es passieren, dass, wenn ein junger Mensch derart abgeschottet wie in einer Blase heranwächst, man den Überblick, die Weitsicht verliert. Menschen können jedoch ihre Ansichten (wenn man überhaupt von Ansichten bei einem naiven Teenager sprechen kann) ändern, dazulernen, über den Tellerrand hinausblicken. Ich denke, ich habe mittlerweile eindeutig bewiesen, wie sehr ich mir der Gefahr einer Unterwanderung durch die rechte Szene bewusst bin und wie ich aktiv dagegen etwas unternehme.
Doch starten wir beim Anfang:
Im Jahr 2007 schrieb ich meine Facharbeit zum Thema „Pagan Metal Subkultur und politische Verbindungen“. In dieser Zeit begann ich, mich intensiv mit dieser Thematik auseinanderzusetzen. Im Rahmen dieser Facharbeit habe ich mich in einem Kapitel ausgiebig mit der Band „Absurd“ und speziell der Person Hendrik Möbus beschäftigt – was die Neugier weckte, mir das Ganze einmal mit eigenen Augen anzuschauen. In jugendlicher Dummheit und Leichtsinn ließ ich mich dazu verleiten, im Frühjahr 2007 auf ein Absurd Konzert mitzukommen. Ich ließ mich zwar bereits nach dem dritten Song wieder abholen, aber das tut nichts zur Sache, denn bis dahin war ich anwesend.
Gedacht habe ich mir dabei nichts, vor allem nicht, dass all dieser Mist irgendwann in der Zukunft Konsequenzen nach sich ziehen würde. Für mich war das einfach ein Konzert, das man sich mal reinziehen wollte, weil man sich ein Jahr mit der Thematik trocken und auf dem Papier befasst hatte und weil es so „geheim“ war.
Hendrik Möbus war so etwas wie der negative Hauptdarsteller dieser Szene, natürlich ging von ihm eine gewisse Faszination aus und ich wollte einmal mit dem Menschen sprechen, über den ich ein Jahr recherchiert hatte. Diese Faszination war keine Bewunderung, die grausame Tat für die er verurteilt wurde, ist abscheulich und verachtenswert, genau wie seine obskuren und verquerten politischen Ansichten, keine Frage. Dennoch war ich interessiert, wie sich dieser Mensch verhält, wie er heute spricht usw. Einmal angeschrieben kommt man aus dieser Nummer natürlich nicht so einfach wieder raus, vor allem nicht wenn das ganze nicht bekannt werden soll. Sein Name stand also 2007 sogar auf der Gästeliste zum Festival, wer sich aber mit der aktuellen Wolfszeit Geschichte beschäftigt, weiß wie strikt wir gegen Shirts jeder rechten Band vorgehen. Und aus dieser Ecke kommt nun die Schlammschlacht auf meine Person. Sie betiteln mich als Oportunisten, Heuchler, Wendehals – ich sage: ich habe dazugelernt. Nebenbei erwähnt: in meinem direkten Umfeld gab es viele, die ich persönlich kannte, die korrekte Menschen waren – und sie hörten trotzdem Absurd. Ist es nicht ein bisschen verständlich, wenn ein junger Mensch die „Gefahr“ unterschätzt!?
Heute gibt es für mich keine Trennung mehr zwischen der Musik und der Meinung der Menschen, die dahinter stehen. Damals war es so, daran kann ich nichts mehr ändern. Ich kann mich nur dafür entschuldigen.”
S. gibt zu, dass er auf dem Konzert der Band ABSURD in Gremsdorf, im Frühjahr 2007, anwesend war. Weiterhin gibt er zu, dass er Hendrik M. persönlich kennt, und diesen auf sein Wolfszeit-Festival eingeladen hat.
Dadurch wird die o.g. Aussage von M. hinreichend verifiziert, um auch die dort enthaltene Information, woher S. das Hemd der Band ABSURD, mit dem er auf besagten Foto abgelichtet ist, erhalten hat, als glaubwürdig einzustufen.
Dadurch wird S. der Lüge, in seiner ersten Stellungnahme, überführt! Denn während er am 18.01. noch schreibt, dass das Hemd jemand anderen gehört und er es sozusagen notgedrungen angezogen hat, ohne über den Hintergrund der Band ABSURD auch nur nachgedacht zu haben, sieht die Faktenlage nur zwei Tage später ganz anders aus. Auf einmal kennt S. nicht nur die Band ABSURD, sondern er hat sogar deren prominentes (und berüchtigtes) Gründungsmitglied Hendrik M. auf sein Wolfszeit-Festival eingeladen!
Aber auch mit der neuen, zweiten Stellungnahme hat S. wieder viele Fragen aufgeworfen und Widersprüche aufgezeigt.
S. schreibt, dass er im Jahr 2007 eine “Facharbeit zum Thema ‘Pagan Metal Subkultur und politische Verbindungen’” im Geschichtsunterricht geschrieben hat. Diese Facharbeit kann hier heruntergeladen werden.
Diese Facharbeit ist selbst erklärend. Mehrere Seiten beschäftigen sich nur mit Hendrik M. und dessen Band ABSURD. S. hat diese Facharbeit unter folgender Prämisse verfasst:
“Der Verfasser geht von folgenden Thesen aus
1. Es besteht eine Verbindung zw. Pagan Metal und dem
politischen Rechtsradikalismus, die jedoch überschätzt
wird
2. Pagan Metal stellt eine Rückbesinnung auf traditionelle
Werte und damit verbundene Ablehnung moderner Werte
dar
3. Es bestehen Verbindungen zwischen den Werten und
Ideologien des Heidentums mit denen des
Rechtsradikalismus.”
Also bereits 2006/2007, als er 18 bzw. 19 Jahre alt war, hat S. von einer “Unterwanderung” des Pagan Metal durch Rechtsextremisten gewusst. Seine eigenen Worte:
“Dass der Heiden Metal oft auch von den Werten des Heidentums handelt, macht es allerdings auch für viele Rechtsradikale attraktiver ihre radikalen Botschaften in diesem Kontext eingebunden zu verbreiten.”
Man kann sich S. also als einen verantwortungsbewussten, jungen Mann vorstellen, der für die Gefahren, die vom Rechtsextremismus für die Subkultur des Pagan Metal ausgehen, hinreichend sensibilisiert ist. Im Jahr 2007, wohlgemerkt!
Doch wie stellt S. sich heutzutage dar, liest man seine Stellungnahme vom 20.01.2010?
“In jugendlicher Dummheit und Leichtsinn ließ ich mich dazu verleiten, im Frühjahr 2007 auf ein Absurd Konzert mitzukommen. (…) Ist es nicht ein bisschen verständlich, wenn ein junger Mensch die „Gefahr“ unterschätzt!?”
Wie glaubwürdig erscheint diese Aussage?
Es bleibt festzustellen:
1. Philipp S. war im Jahr 2007 kein 14-jähriger Jugendlicher, der durch “falsche Freunde” zu etwas verleitet wird. Er hat im Jahr 2007 eine Facharbeit geschrieben, die ganz klare Aussagen zu Hendrik M.; zu ABSURD; und zu “Rechtsextremismus und Pagan Metal” enthält. S. wusste also ganz genau worauf er sich einlässt!
2. Philipp S. hat in seiner ersten Stellungnahme vom 18.01.2010, hinsichtlich des Besitzes von besagten ABSURD-Hemd, eindeutig gelogen. Seine Glaubwürdigkeit auch in anderer Hinsicht ist nunmehr anzuzweifeln.
3. Philipp S. will im Jahr 2010 die Entschuldigung des “jugendlichen Leichtsinns” für sich beanspruchen. Demnach entsprechen die Angaben in seiner Facharbeit also nicht der Wahrheit, da er zu dem Zeitpunkt, als er diese verfasst hat, doch ein dummer und naiver Junge gewesen sein will?
Mittlerweile gibt es eine dritte Stellungnahme, die ebenfalls am 20.01.2010 im Blog des MySpace-Profils von VARG veröffentlicht wurde. Mit dieser Stellungnahme wurde die vorherige Stellungnahme vom 18.01.2010 einfach ersetzt; diese Stellungnahme befindet sich nicht mehr online.
Philipp S. unterlässt nun jede Bemerkung hinsichtlich seiner Bekanntschaft mit Hendrik M., und schreibt nur noch ganz pauschal:
“Es gibt einige Dinge aus der Vergangenheit auf die ich nicht stolz bin. Bekanntschaften und ihre Feiern/Musik, den dämlichen „Spaß“ den man mitmacht, jugendlicher Leichtsinn, Interesse an negativen Hauptfiguren…”
Zu den konkreten Vorwürfen, die gegen ihn geäußert werden, will er sich erst in einem Interview mit dem RockHard äußern. S. schreibt im Forum seines Wolfszeit-Festivals:
“Um Diskussionen Mutmaßungen usw vorzubeugen:
Es kommt ein großes Rock Hard Interview das keine Fragen offen lassen wird. Bitte wartet das ab und fragt mich dann falls ihr noch etwas wissen möchtet.”
Im Grunde genommen ist das überflüssig, denn die grundsätzlichen Fragen hat S. durch seine drei Stellungnahmen bereits beantwortet.
Hat S. persönliche Beziehungen an den “rechten Rand” des Black Metal unterhalten? Ja, das hat er. Er hat zugegeben, ein Konzert von ABSURD besucht und Hendrik M. auf sein eigenes Festival eingeladen zu haben.
Wusste S. was er tat? Ja, das wusste er. Er hat laut eigener Aussage “ein Jahr lang” über Hendrik M. und ABSURD recherchiert. Somit ist er nicht als “dummer und naiver Junge” an Hendrik M. herangetreten, sondern im vollen Bewusstsein über dessen Werdegang, seine Ideologie und seine Rolle am “rechten Rand” des Black Metal.
Hat S. die Wahrheit gesagt? Nein, S. hat bereits einmal gelogen. Der Wahrheitsgehalt seiner Stellungnahmen kann nur durch die Aussagen anderer Leute verifiziert werden; dazu gibt es eine Äußerung von Hendrik M. selbst, wodurch zumindest die Verbindungen zwischen Philipp S. und Hendrik M. eine Bestätigung erfahren.
Es ist davon auszugehen, dass auch die anderen Vorwürfe, die gegen Philipp S. erhoben werden, nicht frei erfunden sind. Nicht von ungefähr hat man ihm offenkundig geraten, erst einmal keine weitere Stellungnahmen mehr zu veröffentlichen.
Quelle: Varg – Freki – Wolfszeit
Ich persönlich mag die Band Varg und werde sie auch weiterhin hören ungeachtet dessen was man nun über Freki heraus findet oder nicht, denn nur er selbst weis was da los war.