Philipp “Freki” S: Die schützende Hand der Metalbrüder
(Rückblende):

Anfang 2007 in Essen. Ørjan “Hoest” Stedjeberg betritt völlig betrunken, mit einem aufgemalten Hakenkreuz auf der nackten Brust, die Bühne. Die deutsche Metal-Presse ist außer sich. Stedjeberg wird sich zwar dafür entschuldigen, doch bleibt seine Band TAAKE bis Anfang 2009 in Deutschland boykottiert. Konzerte werden abgesagt bzw. abgelehnt.

Anfang 2007 in Gremsdorf. Philipp “Freki” S. besucht ein Konzert der Band ABSURD. Daraus entsteht eine Bekanntschaft mit Hendrik M., bekannt als “Satansmörder von Sondershausen”, die bspw. zu dessen Einladung auf das Wolfszeit-Festival, von S. veranstaltet, im selben Jahr führt. Die deutsche Metal-Presse schweigt. S. gibt diesen Kontakt zu, aber seine Band VARG darf weiterhin auf dem Wacken und auf dem PartySan Open Air auftreten.

Seit dem 17.01.2010 wurde sehr viel über Philipp “Freki” S. im Internet geschrieben. Die meisten Diskussionen fanden in Online-Foren statt, die zum Beispiel vom RockHard; vom Metal-Hammer; vom Wacken Open Air; vom PartySan Open Air, etc.pp., verwaltet werden. Also an virtuellen Orten, wo sozusagen die gesamte Metal-Szene in ihrer ganzen Vielfalt aufeinandertrifft.

Es ist sehr interessant, die Reaktionen auf das Foto, welches S. mit einem ABSURD-Hemd bekleidet zeigt, sowie auf die sich daran anschließenden Vorwürfe und Stellungnahmen, zu beobachten.

Zunächst gibt es einen grundsätzlichen Abwehrreflex in diesen Foren: Die Kritiker von S. sollen entweder “Linksextreme” auf einer Hexenjagd oder “Rechtsextreme” auf einem Rachefeldzug sein. Mit dieser Einordnung ist für die Mehrzahl der Foren-Mitglieder der Fall auch schon wieder erledigt. Es handelt sich um die Desinteressierten. Sie haben weder ein Interesse an der Person Philipp S., noch an seiner Band VARG, oder gar an irgendeiner Diskussion zu diesem Thema.

Dann gibt es natürlich die Fans von VARG, welche S. als Opfer eines “Rufmords” sehen. Sie können die ganze Aufregung um so ein Hemd gar nicht verstehen; und auch die Tatsache, dass S. sozusagen vor ihrer Nase zwei einander völlig widersprechende Stellungnahmen an ein- und derselben Stelle – dem Blog des VARG-Profils auf MySpace – veröffentlicht, und sich damit als Lügner entlarvt, hat, kann die Fans nicht im geringsten erschüttern. Fairerweise muss man ihnen zugestehen, dass sie parteiisch sind. Etwas anderes sollte man von Fans sowieso nicht erwarten!

Aber dann gibt es die Ignoranten, die es besser wissen könnten – bei denen aber nicht sein kann was nicht sein darf.

In diese Kategorie fallen zum einen alle Geschäftspartner von S.; zum Beispiel sein neues Label NoiseArt/Rock The Nation. Stefan Hattinger von RTN erklärt seinen Standpunkt im Forum des Metalfest so: “Wir lassen uns von euch wichteln nicht zu eurem werkzeug machen und werden VARG NICHT in den dreck kicken – in dem ihr euch sult.” Warum auch? Schließlich hat man das Label NoiseArt extra für die Veröffentlichung des neuen Albums von VARG gegründet, welches am 29.01.2010 erscheinen soll. Die damit verbundene Investition will man natürlich nicht “in den Dreck kicken”, soviel steht fest. Allerdings kann man Stefan Hattinger durchaus zugestehen, dass er wirklich nichts von den Umtrieben, die seinem Schützling Philipp S. nachgesagt werden, wissen kann. Denn die Kreise, in denen S. sich in Mitteldeutschland bewegt haben soll, dürften kaum zu jenen “veranstaltern/agenturen/presseleuten” gehören, mit denen Rock The Nation “seit über 20 jahren” zusammenarbeitet. Demzufolge fehlt es Stefan Hattinger auch an Einblick in eine Szene, die Philipp S. nur zu gut kennt – siehe seine Facharbeit, worin er sich ja ausführlich mit dem “rechten Rand” des Black und Pagan Metal befasst hat.

Es gibt dann auch noch eine Form der Ignoranz, die vor allem in der Redaktion des RockHard anzutreffen ist. Hier arbeiten Menschen, die über vielfältige Kontakte – z.T. auch informeller und inoffizieller Natur – in alle Bereiche der Szene verfügen. Es ist schwer vorstellbar, dass diesen Menschen verborgen geblieben sein soll was sich scheinbar doch landesweit im gesamten Freundes- und Bekanntenkreis von Philipp S. herumgesprochen hat. Jede Grußliste einer Black oder Pagan Metal-Band, die Karriere machen will, wird von diesen Leuten auf Hinweise, die eine Sympathie / Toleranz für bestimmte politische Meinungen vermuten lassen könnten, akribisch durchleuchtet. Wird man fündig, dann helfen dieser Band auch keine “Ausreden” a’la “Man kennt sich halt von Konzerten, und man muss deshalb doch nicht zwangsläufig die selben Meinungen vertreten, etc.pp.” – nein, da werden ganz strenge Maßstäbe angelegt. Nicht so bei Philipp S., der seine “Nazi-Kontakte” – und damit ist niemand geringerer als Hendrik M. gemeint – nach anfänglichen Dementi eingestanden hat.

Andreas Himmelstein vom RockHard erteilte S. schon die Absolution, bevor dessen “mea culpa” überhaupt online ging: “Uns liegt ein sehr gutes Statement von Freki vor, ich warte noch auf sein ok es hier veröffentlichen zu dürfen. Danach dürfte dann ganz sicher Schluss sein, mit dem Unsinn hier.” Also bevor irgendjemand außerhalb der Redaktion des RockHard überhaupt davon erfuhr, dass Philipp S. den Hendrik M. als Ehrengast auf dem Wolfszeit-Festival begrüßt hat, verordnete Himmelstein schon das Ende der Diskussion. Konsequenterweise wurde das Thema kurz darauf geschlossen. In anderen Foren wurde es ebenfalls geschlossen, oder sogar ganz gelöscht.

Auf den ersten Blick mag das als Schutzmaßnahme für Philipp S. erscheinen, damit dieser nicht länger “verleumdet” werden kann. Bei näherer Betrachtung fällt aber auf, dass es keinerlei ernsthafte Diskussion zum Inhalt der dargelegten Vorwürfe gegeben hat (oder geben durfte). Die Vorwürfe an sich wurden als irrelevant abgetan; weil man den Personen, die sie äußerten, alles andere als ehrenwerte Absichten unterstellt.

Natürlich wird jeder, der etwas zur Person von Philipp S. schreibt, eine ganz subjektive Agenda haben. Aber das trifft auch auf die Leute zu, welche ihre schützende Hand über ihn halten!

Worin kann das Motiv des RockHard bei der Unterstützung für S. bestehen? Sicherlich gibt es auch einen finanziellen Aspekt – das Album “Blutaar” von VARG wurde im RockHard groß beworben und hat dafür eine wohlwollende Rezension erhalten. Aber es geht da um mehr. Es geht um einen Gesichtsverlust bei den Redakteuren und Mitarbeitern des RockHard. Sie wollen, sie können nicht eingestehen, dass jemand wie Philipp S. es geschafft haben könnte, sie für dumm zu verkaufen und vor der gesamten Szene dumm dastehen zu lassen. Philipp S. versteht sich gut zu präsentieren und zu vermarkten – die Karriere seiner Band VARG wäre ohne diese Eigenschaft unmöglich. Es ist durchaus denkbar, dass Philipp S. seine Gönner beim RockHard bis zu einem Zeitpunkt belogen hat, als der “point of no return” bereits überschritten war. Denn nachdem man sich in der Redaktion des RockHard erst einmal darauf festgelegt hat, dass S. kein “Nazi” sei und die ihm nachgesagten Machenschaften entweder erfunden oder übertrieben sind, hätte jedes Eingeständnis des Gegenteils eine fatale Auswirkung auf die Glaubwürdigkeit des RockHard als “Szenepolizei” und “Moralapostel” im Black und Pagan Metal. Deshalb kann es jetzt nur noch die Flucht nach vorn geben!

Man kann nur spekulieren, was die genaue Art der Beziehung zwischen Philipp S. und dem RockHard anbetrifft. Aber wenn der Chefredakteur dieser Zeitschrift sich angeblich ganz ungezwungen mit solchen Leuten sozialisiert, die von seinen eigenen Mitarbeitern am “rechten Rand” des Black Metal verortet werden, dann wird man die Kontakte von Philipp S. in dieses Milieu vielleicht mit einer gewissen Nachsicht bzw. Nachlässigkeit betrachtet haben…

Es steht aber fest, dass diese Beziehung sehr eng sein muss. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt arbeitet man gemeinsam an einem umfassenden Interview, welches “keine Fragen offen lassen” soll. Man kann sich sehr gut vorstellen, wie dieses “Interview” zustande kommt. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird an den Antworten des Philipp S. so lange herumgefeilt, bis passend gemacht ist was unbedingt passen soll. Die Interessen sowohl des RockHard als auch von Philipp S. sind mittlerweile so identisch, dass eine kritische Befragung ausgeschlossen scheint. Nicht von ungefähr war es der RockHard, wo die zweite, umfangreiche Stellungnahme von Philipp S. zuerst veröffentlicht worden ist – nachdem in der Redaktion wohl noch Hand an den Text angelegt wurde, um ihn einigermaßen plausibel erscheinen zu lassen. Zu dumm, dass man dabei wohl ganz vergessen hat auch einmal diese Facharbeit des Philipp S., von der da die Rede ist, zu lesen!

Auch ehemalige Bandkollegen von Philipp S. melden sich jetzt zu Wort, wie zum Beispiel Sebastian “Geri/Morsan” F. von der Band IVENBERG. Er schreibt im Blog seiner Band auf MySpace, dass VARG keine politische Band ist und Philipp S. keine “politischen Interessen” verfolgt. Was soll er denn sonst schreiben? Immerhin war er jahrelang ein Mitglied dieser Band, und ein Weggefährte von Philipp S., bis zur Trennung von VARG. Erst am 08.01.2010 schreibt Sebastian F. in einem anderen Blog-Eintrag auf MySpace über ein klärendes Gespräch zwischen ihm und S: “Dabei wurden viele dieser Gerüchte aus der Welt geschafft, Missverständnisse aufgearbeitet und wir können wieder ganz normal und mit dem nötigen Respekt miteinander umgehen.” Da ist es doch nachvollziehbar, dass er S. nun auch diesen Gefallen tut und ihm attestiert, gar kein “politischer” Mensch zu sein. Aber Moment einmal! Dann ist die Kampagne “VARG & Fans gegen Nazis”, die Philipp S. ins Leben gerufen hat, also gar keine politische Kampagne? Weil S. keinerlei “politische Interessen”, weder in die eine noch in die andere Richtung, besitzt? Demzufolge entsprechen die Behauptungen, S. sei einfach nur ein Opportunist, also doch der Wahrheit? Aber das nur als Randnotiz…

Beim RockHard hat man sich mit der Exkulpation von Philipp S. auf ein regelrechtes Vabanque-Spiel eingelassen, dessen Ausgang völlig offen ist. Dessen ist sich wohl auch “Mieze”, Veranstalter des PartySan Open Air, bewusst. Denn er schreibt in seinem Forum: “Wir beobachten die Entwicklung im Moment sehr genau und werden in Kürze ein Statement dazu abgeben. Bis dahin bitte ich euch Ruhe zu bewahren und euch auch mal die Statements von Philipp anzuschauen.
Es ist nicht so einfach wie man es uns weiß machen will, ( egal von welcher Seite) sich davon ein genaues Bild zu machen. Unberührt läßt uns das definitiv nicht und wir wissen das wir als Party.San Open Air eine klare Linie verfolgen müssen.
Gebt uns und den Entwicklungen noch ein paar Tage.”

Welche Entwicklung soll es in den nächsten Tagen geben? Was könnte noch herauskommen, das bisher unbekannt ist? Wovon macht “Mieze” seine Entscheidung abhängig?

Anfang 2009 haben sich Ørjan “Hoest” Stedjeberg, Philipp “Freki” S., und Hendrik M. übrigens wiedergetroffen. TAAKE spielten ein Konzert in Berlin, das Philipp S. veranstaltet hat. Der einzige Verkaufsstand bei diesem Konzert gehörte – Hendrik M. …

Quelle: Varg – Freki – Wolfszeit